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Die Rotbuche (Fagus sylvatica)

"Mutter des Waldes", so heißt die Buche bei den Förstern, denn dieser Laubbaum setzt mehrere clevere Mechanismen ein, mit denen er seinen Lebensraum selbst gestaltet:

  • Das geschlossene Kronendach der Buchen wirkt wie ein Zeltdach und schützt den Waldboden vor Wind,Sonneneinstrahlung und vor Austrocknung. Anders als zum Beispiel bei der Kiefer schirmen die Buchenkronen den Waldboden im Sommer sehr effektiv ab. Lichtliebende Pflanzen haben es daher wegen Lichtmangel besonders schwer. Nur wenige, speziell angepasste Pflanzenarten (zum Beispiel Frühjahrsblüher wie Bärlauch oder sehr Schatten ertragende Pflanzenarten wie Waldmeister und Tanne) haben in geschlossenen Buchenbeständen eine Chance zu wachsen. Die Buche selbst erträgt viel Schatten und braucht nur wenig Licht, selbst bei 20 Prozent Lichtstärke ist ihr Wachstum kaum beeinträchtigt. Unter dem geschlossenen Kronendach „dunkelt“ aber selbst ihr eigener Nachwuchs aus. Das ändert sich erst, wenn es eine größere Lücke im Kronendach gibt und mehr Licht an den Waldboden gelangt. Außerdem verfügt die Buche über eine große Wuchskraft, die auch im Alter anhält. Bis ins hohe Alter kann sie flexibel auf Veränderungen des Lichtangebotes im Kronenraum reagieren. Kurzfristig entstehende Lücken im Kronendach durch geerntete oder umgestürzte Bäume werden von verbleibenden Nachbarbäumen rasch wieder aufgefüllt. So setzt sich die Buche wirksam gegen Konkurrenzvegetation durch.
  • Die Wurzeln des bis zu 35 Meter hohen Baumes lockern den Waldboden auf und erreichen auch Nährelemente in tieferen Bodenschichten. Diese werden über die Wurzeln aufgenommen und in Blättern, Knospen, Früchten und andere Teile des Pflanzengewebes eingebaut. Mit den im Herbst abgeworfenen Buchenblättern gelangt ein großer Teil dieser Nährstoffe zurück in den Waldboden, nur liegen sie diesmal obenauf, wo sie für Bodenorganismen und Pflanzen gut erreichbar sind. Die Buchenblätter enthalten keine schwer zersetzbaren Pflanzeninhaltsstoffe und können von Bodenorganismen leicht zersetzt werden. Sie finden hier reichlich Nahrung und auch sonst günstige Lebensbedingungen: Denn das am Boden liegende Buchenlaub bildet eine schützende Decke und ist zugleich Nahrung für Würmer, Schnecken, Asseln, Insekten, Pilze und unzählige Mikroben. Gut geschützt vor Wind und Wetter, Sonnenstrahlung und Austrocknung verwandeln die Bodenlebewesen die Pflanzenreste in Humusstoffe und arbeiten diese in den Mineralboden ein. Auf diese Weise werden die darin enthaltenen Nährstoffe recycelt und der Waldboden mit Kohlenstoff angereichert. So düngt sich die Buche selbst.
  • Auch bei der Wasserversorgung überlässt die Buche, die bis zu 600 Jahre alt werden kann, nichts dem Zufall: Die oberen Äste ragen steil nach oben. Sie sammeln das Niederschlagswasser und führen es ähnlich wie ein Trichter nach innen zum Stamm. An der glatten Rinde rinnt es rasch nach unten und wird so direkt zu den Wurzeln des Baumes geleitet. So verbessert die Buche nicht nur ihre eigene Wasserversorgung, sondern auch die der Bodenorganismen in ihrem Wurzelbereich. Auf diese Weise trägt die Buche außerdem wesentlich zur Speisung des Grundwassers im Boden bei.

Diese Mechanismen – zusammen mit ihrer Wuchskraft und Schattentoleranz – sichern der Buche wesentliche Überlebensvorteile im Wettbewerb um Wasser, Nährstoffe und Licht und machen sie zu einer sehr konkurrenzstarken Baumart. Ohne menschlichen Einfluss wäre daher der größte Teil Deutschlands mit reinen Buchen- oder Buchen-Mischwäldern bedeckt. Dabei kommt sie von den Tieflagen bis in die Hochlagen mit vielen verschiedenen Standorten zurecht und meidet nur sehr trockene oder staunasse beziehungsweise regelmäßig überflutete Standorte. Heute ist die Buche auf rund 15 Prozent unserer Waldfläche vertreten und damit der häufigste Laubbaum in Deutschland.

Die glatte, silbergraue Rinde ist ein markantes Erkennungszeichen der Buche. Anders als bei den meisten anderen Baumarten bleibt sie auch am Hauptstamm bis ins hohe Alter dünn und glatt. Die Rinde ist gleichzeitig jedoch die Achillesferse der Buche. Die Rinde bietet nur geringen Schutz gegen mechanische Verletzungen. Außerdem ist die Buchenrinde sehr empfindlich gegen Sonnenbrand. Scheint die Sommersonne direkt auf den Stamm, kann das unter der dünnen Rinde liegende Wachstumsgewebe, das so genannte Kambium, infolge von Überhitzung absterben. An diesen Stellen platzt die Rinde auf und blättert ab, Holz zersetzende Pilze können eindringen.

Für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten sind unsere Buchenwälder wichtige Lebensräume. Je nach Standort- und Klimabedingungen bilden sich verschiedene Lebensraumtypen mit jeweils charakteristischer Zusammensetzung ihrer Pflanzenarten aus. Der Buchenwald bietet auch vielen Tieren Heimat. Etwa 7.000 Tierarten sind im Buchenwald beheimatet, darunter rund 5.000 Insektenarten, etwa 70 Schneckenarten und viele Bodenlebewesen. Über 250 Holz bewohnende Pilzarten sind auf die Zersetzung von Buchenholz spezialisiert. Spechte bauen große Bruthöhlen in den Bäumen. Sie werden von zahlreichen anderen Vogelarten, aber auch von Insekten und Fledermäusen als Nachmieter genutzt.

Das Buchenblatt

Die Blätter sind die Kraftwerke des Baumes und daher eines seiner wichtigsten Organe. Denn in den Blättern erfolgt die Photosynthese. Hier werden Sonnenenergie, Kohlendioxid aus der Luft und Wasser in chemische Verbindungen (vor allem Kohlenhydrate) umgewandelt.

Doch warum werfen unsere Laubbäume diese wichtigen Organe im Winter ab? Und weshalb werfen viele Nadelbäume und einige immergrüne Pflanzen ihre Blattorgane im Winter nicht ab? Als Antwort auf diese Fragen finden sich unterschiedliche Überlebensstrategien für lange frostkalte Winter: Eine Möglichkeit ist es, die Blattorgane abzuwerfen, wie es viele Laubbäume der gemäßigten Breiten tun. Weil die empfindlichen Blattorgane keinen Frost vertragen, können sie erfrieren, absterben und mitsamt den in ihnen enthaltenen Nährstoffen abfallen. Außerdem schützen sich die Laubbäume so vor dem Vertrocknen, denn über die Blätter verdunstet sehr viel Wasser. Durch diese Verdunstung erzeugt der Baum Saugspannung und einen Wasserstrom, der die von den Wurzeln aufgenommenen Nährstoffe bis hoch in die Baumkrone transportiert. Ist im Winter der Boden gefroren, können die Wurzeln kein Wasser nachliefern und der Baum müsste vertrocknen.

Der herbstliche Laubfall ist nur der Schlusspunkt eines durch Pflanzenhormone präzise gesteuerten Vorgangs. Denn – ausgelöst durch Tageslichtlänge und Temperatur – erfolgen im Baum erstaunliche Umlagerungsprozesse: Zuerst werden Nährelemente und organische Substanzen (insbesondere Stickstoffverbindungen) in den Blättern abgebaut und in Stamm und Wurzel umgelagert. So stehen sie dem Baum im nächsten Frühjahr für den Blattaustrieb und das Wachstum wieder zur Verfügung. Durch den Abbau des Chlorophylls, dem so genannten Blattgrün, verlieren die Blätter ihre grüne Farbe und die herbstliche Blattverfärbung beginnt. Schließlich bildet sich an den Blattstielen Trenngewebe. Es unterbricht die Leitungsbahnen zum Blatt und dichtet den Baum nach außen ab, das Blatt kann nun abfallen.

Immergrüne Nadelbäume verfolgen eine andere Überlebensstrategie. Sie haben sich auf frostige Lebensräume wie die borealen Breiten und die Hochlagen von Gebirgen spezialisiert. Ihre Blattorgane, die Nadeln, weisen daher besondere Anpassungen auf, die ein Erfrieren der Nadeln und ein Vertrocknen der Bäume verhindern sollen. Die Nadeln verfügen zum Beispiel über einen dicken Wachsüberzug, eine sehr feste Haut und versenkte Spaltöffnungen. Im Ergebnis verlieren die Nadelbäume nur sehr wenig Wasser über die Nadeln. So können die Nadelbäume auch Klimazonen besiedeln, in denen die Vegetationszeit sehr kurz ist oder die für Laubbäume zu kalt sind. Die Nadeln der Nadelbäume bleiben meist über mehrere Jahre am Baum.

Beide, Laub- und Nadelbäume, sorgen für das nächste Frühjahr vor: Gegen Ende der Vegetationszeit legen sie Knospen an. In ihnen stecken die neuen Triebe und Blätter beziehungsweise Nadeln für das nächste Jahr. Der Baum muss im Frühjahr nur noch Wasser in die Knospen pumpen, damit sich die dort angelegten Triebe entfalten können. Gegen äußere Einflüsse sind die Knospen durch die Knospenschuppen geschützt. Das Austreiben der Knospen im Frühjahr wird ebenfalls durch Tageslichtlänge und Temperatur gesteuert.

Die jungen Laubblätter der Buche erscheinen erst in der zweiten Hälfte des Frühlings (Mai), je nach Standort. Dies ist die Chance für die so genannten Geophyten (Erdpflanzen): Das sind frühblühende Bodenpflanzen, die sich auf das enge Zeitfenster spezialisiert haben, in dem zu Beginn der Vegetationszeit genügend Licht an den Boden eines Buchenwaldes gelangt. Die Geophyten überdauern im Erdboden. Nährstoffe und Stärke speichern sie meist in unterirdischen Organen (Wurzeln, Rhizome, Knollen). Beispiele hierfür sind Buschwindröschen, Scharbockskraut, Hohler Lerchensporn, Bärlauch, Leberblümchen und Schlüsselblume. Wenn der Buchenwald sein Laubdach voll ausgebildet und geschlossen hat (im Mai/Juni), ist der Entwicklungszyklus der Frühblüher (Blüte, Fruchtbildung) abgeschlossen. Dann lagern sie ihre Reservestoffe in die Wurzeln ein und gehen in die Ruhephase; viele von ihnen sind dann im Sommer nicht mehr zu sehen. Erst im nächsten Frühjahr werden sie wieder erscheinen und den noch kahlen Buchenwald mit Leben erfüllen.

Die Wildkatze

Sie sind scheu und leben versteckt in Wäldern und strukturreichen Feldholzinseln. Bis vor circa 150 Jahren war die Wildkatze in Deutschland weit verbreitet.

Doch dann setzte eine gnadenlose Verfolgung ein. Denn ihr wurde zu Unrecht nachgesagt, dass sie ein kleiner Waldtiger sei, der Hirschkälber töten und auch für Jäger und Hund gefährlich werden könne. So wurde sie in Deutschland fast ausgerottet. Nachdem die Jagd auf die Wildkatze eingestellt wurde, konnte sie einen Großteil ihrer angestammten Lebensräume wieder besiedeln und breitet sich auch heute noch weiter aus. 5.000 bis 7.000 Wildkatzen sollen wieder in unseren Wäldern leben. Bei ihren Streifzügen auf der Suche nach Wühlmäusen und anderen Kleintieren können sie gelegentlich auch außerhalb des Waldes beobachtet werden.

Die Europäische Wildkatze (Felis silvestris silvestris) ist eine eigenständige Art und keine verwilderte Hauskatze. Obwohl sie einer getigerten Hauskatze zum Verwechseln ähnlich sieht, ist sie mit dieser nur sehr weitläufig verwandt, denn deren Stammform ist die Afrikanische Wildkatze (auch: Nubische Falbkatze, Felis silvestris lybica). Die besonderen Erkennungs- und Unterscheidungsmerkmale der Wildkatze sind das verwaschene Fellmuster und der buschige Schwanz: Er endet in einer breiten, stumpfen Rundung und zeigt am Schwanzende einige klar abgesetzte, geschlossene schwarze Ringe. Die Wildkatze ist meist größer und kräftiger als der normale deutsche Stubentiger und wirkt aufgrund ihres längeren Fells noch massiger. Außerdem ist sie scheu und tatsächlich wild: Anders als die Hauskatze, die sich über rund 10.000 Jahre in Menschennähe in ihrem Verhalten sehr an den Menschen gewöhnt und angepasst hat, ist die Wildkatze nicht domestiziert. Selbst in Gefangenschaft geborene und an Menschen gewöhnte Wildkatzen bleiben scheu und unberechenbar, sie werden nie so zutraulich wie eine Hauskatze.

Als Schleich- und Lauerjäger bestimmt die Jagd auf Beute ihre Aktivität. Wildkatzen verfügen über sehr gute Sinnesorgane. Während ihr keine Bewegung entgeht, ist sie selbst wegen ihrer Fellzeichnung kaum sichtbar. All das macht sie – zusammen mit ihrem starken Gebiss, kräftigen Pranken und ihrer blitzschnellen Reaktion – zu einem ausgezeichneten Jäger. Lautlos wartet sie im Hinterhalt auf ihre Beute oder schleicht sich unbemerkt an. Im Spätwinter und im zeitigen Frühjahr, wenn sich die Wühlmauspopulation auf dem niedrigsten Jahresniveau befindet, kommt es bei den Wildkatzen zu Nahrungsengpässen. Dann wird auch Aas als Nahrung nicht verschmäht.

Im Februar, der Paarungszeit, sind nachts die Rufe der männlichen Wildkatze zu hören. Manche von ihnen legen auf der Suche nach paarungsbereiten Weibchen bis zu 13 Kilometer in einer Nacht zurück. Im April bringt das Weibchen an einem warmen, trockenen Wurfplatz ein bis vier Junge zur Welt. Im Alter von fünf Monaten machen sich die jungen Katzen selbstständig. Den Winter verbringt die Wildkatze oft in Erdhöhlen, die vom Fuchs oder Dachs gegraben wurden. Heute ist die Wildkatze vor allem durch den Straßenverkehr gefährdet.

Übrigens: Die Kreuzritter haben die Vorfahren unserer Hauskatze aus dem Orient mitgebracht.

Weißt Du, wieviel Bäumlein stehen? – Die Bundeswaldinventur

Forstwirtschaft ist mehr als Bäume absägen. Wer den Wald bewirtschaftet, der muss wissen, was er tut. Das gilt für den Waldbesitzer und den Förster vor Ort genauso wie für die Waldpolitik des Bundes und der Länder.

Wie viel Wald gibt es in Deutschland, wie sieht er aus und welche Entwicklung nimmt er? Ist unser Wald auf den Klimawandel vorbereitet? Wie viel Holz wächst aktuell im Wald, wie viel davon wird genutzt? Das sind einige zentrale Fragen der Wald-, Umwelt-, Energie- und Agrarpolitik. Auch die Holzwirtschaft und der Naturschutz benötigen für ihre Arbeit belastbare Informationen über den Wald.

Antworten auf viele dieser Fragen liefert die Bundeswaldinventur. Sie gibt einen Überblick über den Zustand und die Entwicklung des deutschen Waldes – von der biologischen Vielfalt über die verfügbare Holzmenge bis hin zur Speicherung von Kohlenstoff in Waldbäumen. Experten der Bundesländer und Wissenschaftler des Thünen- Instituts für Waldökosysteme erheben mittels einer Stichprobe und statistischer Verfahren Daten über die Waldfläche, Baumartenanteile, Nutzung, Zuwachs und viele weitere Merkmale. Für die dritte Bundeswaldinventur haben 60 Inventurtrupps in den Jahren 2011 und 2012 bundesweit rund 60.000 Stichprobenpunkte aufgesucht und dort rund 420.000 Bäume vermessen. 

Diese Bestandsaufnahme des Waldes wird alle zehn Jahre wiederholt, denn erst durch das erneute Vermessen der Bäume erkennen Forstexperten, wie sich der Wald verändert. Zum einen erfassen sie die Dynamik des  Ökosystems, die durch das natürliche Baumwachstum, Stürme, Trockenheit, die Holznutzung und die Inanspruchnahme von Wald für Siedlung, Verkehr und Gewerbe hervorgerufen wurde. Zum anderen lässt sich erst in einer Langzeitbeobachtung feststellen, wie sich die Maßnahmen der Wald- und die Naturschutzpolitik auf den Wald auswirken. Außerdem sind die Daten der Bundeswaldinventur Bestandteil internationaler Berichte, wie sie etwa das Kyoto-Protokoll der Klimarahmenkonvention zum Wald als wichtigem Kohlenstoffspeicher fordert. 

Nicht zuletzt helfen die Daten dabei, künftige Entwicklungen im Wald vorauszudenken. Wissenschaftler schätzen auf ihrer Basis mit einer modellgestützten Simulation ab, welche Entwicklungen im Wald und beim nachhaltig nutzbaren Holzaufkommen in den nächsten vierzig Jahren zu erwarten sind. 

Die erste Bundeswaldinventur fand 1987 statt, die zweite Bundeswaldinventur 2002. Derzeit wird die dritte Bundeswaldinventur ausgewertet. Die Erhebungen hierzu sind bereits abgeschlossen, die Ergebnisse sollen 2015 vorliegen. Mehr zur Bundeswaldinventur erfahren Sie unter: www.bundeswaldinventur.de 

Forstwirtschaft ist mehr als Bäume absägen. Weitere Information auf: www.waldkulturerbe.de

Samenkapsel und Buchecker

Buchecker, so heißen die Früchte der Buche. Die kleinen dreikantigen Nüsse sind sehr energiereich, denn sie bestehen fast zur Hälfte aus Fett.

Aus Bucheckern lässt sich daher ein bei Feinschmeckern geschätztes Speiseöl pressen. Es hat eine goldgelbe Farbe, einen einzigartig mild-nussigen Geschmack und enthält einen hohen Anteil  an ungesättigten Fettsäuren. Es eignet sich gut als Salatöl und hält sich lange, ohne ranzig zu werden. Zum Braten ist es nicht geeignet, da bestimmte Inhaltsstoffe sich unter Hitzeeinwirkung verändern, was den Geschmack nachteilig beeinflusst. Im Handel ist dieses Öl aber nur selten zu finden, denn nur wenige Firmen befassen sich mit der aufwendigen Herstellung. Außerdem stehen die Bucheckern nur in unregelmäßigen Abständen, in den so genannten Mastjahren, in größeren Mengen zur Verfügung. Der Zeitabstand zwischen zwei Mastjahren beträgt sechs bis zehn Jahre. In den Mastjahren erzeugen die Buchen überreichlich viele Bucheckern. In solchen Jahren geht ein Großteil der Zuckerassimilation der Bäume in die Samenbildung, das Holzwachstum geht stark zurück. Mastjahre treten gehäuft nach besonders heißen und trockenen Sommern auf. 

Bucheckern enthalten jedoch auch Inhaltsstoffe wie Oxalsäure, Alkaloide, Saponine und den Wirkstoff Fagin, die für uns Menschen leicht giftig sind. Ein Teil dieser Inhaltsstoffe kann durch Hitzeeinwirkung (zum Beispiel Rösten) unschädlich gemacht werden, andere nicht. Die Herstellung von genusstauglichen Lebensmitteln aus Bucheckern erfordert daher besondere Kenntnisse und Prozeduren. Einige Waldtiere wie Wildschweine, Vögel, Mäuse und Eichhörnchen haben damit keine Probleme und fressen die energiereichen Bucheckern gerne. Viele von ihnen legen sich damit Vorratsdepots für den Winter an. Am Ende des Winters haben die Tiere oft nicht alle Vorräte verzehrt, dann können die versteckten Bucheckern keimen und austreiben. So tragen die Tiere durch die so genannte Versteckausbreitung zur natürlichen Verjüngung und zur Ausbreitung der Buchenwälder bei.

Der Waldmeister

Der Waldmeister ist eine kleine Bodenpflanze, die häufig in Buchenwälder anzutreffen ist. Im Frühjahr überzieht er den Wald mit einem weißen Blütenteppich und erfüllt ihn mit seinem ganz charakteristischen, zarten Duft.

Wegen seiner besonderen Pflanzeninhaltsstoffe ist der Waldmeister als Würzpflanze, aber auch als Arzneipflanze bekannt. Waldmeister wirkt gefäßerweiternd, entzündungshemmend, krampflösend und hilft in geringer Dosierung bei Kopfschmerz und Migräne. Diese Eigenschaften und sein typisches Aroma verdankt der Waldmeister dem Cumarin. Aber Vorsicht: In höheren Dosen kann Waldmeister auch Kopfschmerz verursachen und sogar leberschädigend wirken.

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Zeigerpflanzen geben Auskunft – Die forstliche Standortkartierung

Doch der Waldmeister kann noch viel mehr, denn er gibt dem Förster wichtige Information über den Waldboden:

Wer den Wald nachhaltig bewirtschaften will, muss den Waldboden und die Umweltfaktoren kennen, die auf den Wald einwirken. Wie ist die Wasser- und Nährstoffversorgung? Ist der Waldboden tiefgründig oder gibt es im Untergrund wurzel- und wasserundurchlässige Sperrschichten? Wie ist das Klima für den Wald? Sind die Bodenorganismen aktiv oder gehemmt?

Der Waldmeister ist ein Helfer bei der Beantwortung dieser Fragen. Denn er zählt zu den so genannten Zeigerpflanzen. Das sind Pflanzen, deren Vorkommen an ganz bestimmte Standortfaktoren gebunden ist. Nur dort, wo ihre Standortansprüche erfüllt sind, können sie wachsen und gedeihen. Der Waldmeister hat hohe Ansprüche   an Bodenfeuchte und Nährstoffversorgung. Wo er wächst, ist der Waldboden ausreichend mit Wasser versorgt und nährstoffreich. Andere Pflanzen wie Heidelbeere und Adlerfarn bevorzugen hingegen nährstoffarme, bodensaure Standorte. Brennnessel und Holunder lieben stickstoffreiche, der Ginster dagegen stickstoffarme Böden. So gibt es eine ganze Vielzahl von Pflanzen mit ganz besonderen Zeigerwerten. Am Vorkommen wie auch am Fehlen von Zeigerpflanzen kann der Förster auch ohne Messungen und chemische Analysen zuverlässig erkennen, wie die klimatischen Bedingungen und Bodenverhältnisse, wie die Wasser- und Nährstoffversorgung am jeweiligen Standort sind.

Dieses umfangreiche Waldwissen macht sich die forstliche Standortkunde zu Nutze. Sie erkundet die Waldstandorte und hält die für das Pflanzen- bzw. Baumwachstum wichtigsten Standortbedingungen in Karten fest. Dabei nutzt sie aber nicht nur ihre Kenntnisse der Zeigerpflanzen sondern stützt ihre Ergebnisse auch auf Bodenanalysen sowie regionalspezifische Information aus Klimakunde, Hydrologie, Geologie, Bodenkunde und Pflanzensoziologie. Damit hat der Förster umfassende Informationen über den Waldboden und eine verlässliche Planungsgrundlage für seine Arbeit: Denn auch die Waldbäume haben je nach Art unterschiedliche Anforderungen an ihren Standort. Für den Waldbau ist es wichtig zu wissen, was die Bäume brauchen und wie sich der jeweilige Standort für eine bestimmte Baumart eignet. Die forstliche Standortkartierung ist daher ein wichtiges Instrument zur Sicherung einer nachhaltigen Waldbewirtschaftung.

Wer es genau wissen will, kann auch den Boden aufgraben und die Bodenproben je nach Fragestellung im Labor mit verschiedenen Methoden analysieren lassen. An den Universitäten gibt es eigene wissenschaftliche Lehrstühle für die forstliche Bodenkunde. Außerdem wird der Waldboden in Deutschland mit der bundesweiten Bodenzustandserhebung im Wald stichprobenartig untersucht. Denn Waldboden ist etwas ganz Besonderes: Anders als Acker- und Gartenboden wird er normalerweise nie umgegraben, gepflügt oder gedüngt. Der Waldboden ist sehr naturbelassen. 

Forstwirtschaft ist mehr als Bäume absägen. Weitere Information auf: www.waldkulturerbe.de

Der Schwarzspecht

Man kann ihn weithin hören, bekommt ihn aber nur selten zu Gesicht: Mit einer imposanten Länge von bis zu 57 Zentimetern ist der Schwarzspecht der größte Specht in unseren Breiten. Sein Aussehen ist unverwechselbar: Das schwarze Gefieder wird beim Männchen durch einen roten Scheitel und beim Weibchen durch einen roten Nackenfleck ergänzt.

Der Schwarzspecht ist in größeren Waldgebieten weit verbreitet. Er ernährt sich vorwiegend von Larven und Puppen, Ameisen und Holz bewohnenden Käfern wie Borken- und Bockkäfern. Daneben frisst er Schmetterlingsraupen, Spinnen und kleine Schnecken. Nur äußerst selten versorgt er sich zusätzlich mit Beeren und Früchten. Er brütet in Baumhöhlen, die er mit seinem kräftigen, meißelartig geformten Schnabel selbst anlegt. Wenn er seine Höhle zimmert, schlägt der Specht bis zu 12.000mal pro Tag wie ein Presslufthammer auf den Baum ein, ohne davon in irgendeiner Weise Schaden zu nehmen. Wer selbst einmal mit dem Kopf gegen eine Wand oder Tür gestoßen ist, kann ahnen, dass sich dahinter eine großartige anatomische Besonderheit der Natur verbirgt. Der Körperbau der Spechte besitzt nämlich eine Reihe von Anpassungen, die ihnen diese Leistung ermöglicht: Zum einen ist das die spezielle Kopfanatomie, bei der das Gehirn nicht direkt hinter dem Schnabel liegt, sondern oberhalb, so dass die Wucht des Schlages nicht direkt das Gehirn trifft. Außerdem besitzen Spechte quasi anatomische Stoßdämpfer. Biegsame Knochengelenke und kräftige Schnabelmuskeln federn die Wucht des Aufschlags ab. Wie bei einem Boxer, der einen Schlag erwartet, spannt der Specht die Muskeln kurz vor dem Aufprall an und absorbiert so einen Großteil der Energie. Kurz vorher schließt er auch seine Augenlider, damit  ihm die Wucht nicht die Augen aus den Augenhöhlen drückt.

Doch Kopfanatomie und Meißelschnabel sind nicht alles, was die Spechte auszeichnet: Auch die lange und mit Widerhaken besetzte Zunge ist eine perfekte Anpassung an ihre Lebensweise. Damit werden Insekteneier, Larven und ausgewachsene Insekten auf und unter der Baumrinde zielsicher erfasst.

Der Schwarzspecht ist ein Wegbereiter für viele andere Höhlenbrüter und -bewohner des Waldes, denn nur er legt die so genannten Großhöhlen an, die diese für ihr Überleben brauchen. Ob Hohltauben, verschiedene Eulen-und Fledermausarten, sie alle nutzen gerne als Nachmieter die vom Schwarzspecht angelegten und verlassenen Baumhöhlen. Oft vergehen Jahre, bis eine Bruthöhle fertig ist. Nicht selten baut der Specht an mehreren Höhlen gleichzeitig. Ob er sich dabei andere Waldorganismen (wie zum Beispiel Holz zersetzende Pilze oder Holz bewohnende Insekten) zu Nutze macht, ist noch nicht vollständig erforscht, aber anzunehmen.

Die Tüchtigkeit der Spechte kann für Hausbesitzer unerfreulich werden, wenn sich die Vögel für die Isolierung der Hausfassade interessieren: Einige Spechte werden besonders angezogen von Hausfassaden mit Styropordämmung. Selbst auf dem Berliner Kurfürstendamm haben sie auf der Suche nach Insekten ihre Spuren hinterlassen: zentimetergroße Löcher in der Fassadendämmung.

 

Buchenholz

Buchenholz ist ein idealer Werkstoff: Es hat eine homogene Holzstruktur und lässt sich einfach sägen, hobeln, drechseln und polieren.

Buchenholz ist sehr hart, zäh und abriebfest. Wegen seiner besonderen Holzstruktur splittert es nicht und nimmt Flüssigkeit wie zum Beispiel Farbe oder Holzbehandlungsmittel schnell und gleichmäßig auf. Unverkerntes Buchenholz lässt sich daher leicht behandeln, färben oder beizen. Wegen seiner Robustheit wird es für stark beanspruchte Möbel, Parkettböden, Paletten oder Eisenbahnschwellen verwendet. Schwächeres Buchenholz wird in größerem Umfang auch für die Herstellung von Zellulose und Papier verwendet. „Modal“ ist zum Beispiel eine moderne Textilfaser, die aus Buchenholz hergestellt wird. Nicht zuletzt ist Buchenholz ein begehrtes Brennholz, das sich durch seinen hohen Brennwert, ein sehr langes, ruhiges Brennen, starke Glutbildung und einen hohen Heizwert auszeichnet. Mit rund 250 bekannten Verwendungsbereichen ist Buche die am vielseitigsten verwendete Holzart unter den einheimischen Nutzhölzern und zugleich auch das meistverwendete Laubholz in Deutschland.

Buchenholz hat aus technologischer Sicht aber auch Schwachstellen: Zum einen seine geringe Widerstandsfähig- keit gegenüber Holz zersetzenden Pilzen, sie haben bei unbehandeltem Buchenholz leichtes Spiel. Zum anderen „arbeitet“ das Buchenholz stark: Beim Trocknen schrumpft und schwindet es, wenn es Wasser aufnimmt, dann quillt es. Aus diesen und auch aus Kostengründen wird es im Bauwesen bislang kaum für tragende Elemente ein- gesetzt. Allerdings lässt sich Buchenholz sehr gut imprägnieren oder thermisch behandeln. So ist es gegen Feuchte und Pilze besser geschützt und kann dann auch im Außenbereich eingesetzt werden. So behandelte Buchen- schwellen erreichen im Gleisbett zum Beispiel eine Lebensdauer von mehr als 40 Jahren. Forschung und Ent- wicklung sollen dazu beitragen, Buchenholz zunehmend auch für konstruktive Zwecke nutzbar zu machen.

Eine weitere Besonderheit des Buchenholzes ist, dass es sich in gedämpftem Zustand gut biegen lässt. Das Dämpfen ist ein spezielles Verfahren der Holzbearbeitung. Dabei wird das Holz so lange heißem Wasserdampf ausgesetzt, bis das im Holz enthaltene Lignin weich wird. Lignin ist der natürliche Klebstoff, der die Holzfasern miteinander verklebt und dem Holz seine Härte und Festigkeit verleiht. Sobald das Lignin weich ist, kann das Holz, ohne zu brechen, in eine neue Form gebogen werden. Wenn das Lignin wieder abgekühlt und erhärtet ist, behält das gedämpfte Holz die neue Form bei. Ein bekanntes Beispiel hierfür ist der 1859 erfundene Wiener Caféhaus-Stuhl von Michael Thonet, einem Möbelbauer aus Boppard am Rhein.