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Die Weißtanne (Abies alba)

Kaum ein Baum in Deutschland hat in Geschichte, Märchen und Mythen so viele Spuren hinterlassen wie die Weißtanne. Das beginnt schon mit dem Namen: Das mittelhochdeutsche Wort „Tan“ bedeutet so viel wie Wald oder Forst.

Kaum ein Baum in Deutschland hat in Geschichte, Märchen und Mythen so viele Spuren hinterlassen wie die Weißtanne. Das beginnt schon mit dem Namen: Das mittelhochdeutsche Wort „Tan“ bedeutet so viel wie Wald oder Forst.

Die Weißtanne (Abies alba) kann über 600 Jahre alt werden und Wuchshöhen von bis zu 65 Metern erreichen. Damit zählt sie zu den größten heimischen Bäumen in Mitteleuropa. Mit ihrer Pfahlwurzel durchdringt sie im Untergrund sogar dicht gelagerte und wechselfeuchte Bodenschichten. Die Tanne zählt zu den am tiefsten wurzelnden Nadelbäumen überhaupt. So ist sie im Boden gut verankert und wird nur selten vom Sturm umgeworfen. Ihr tiefreichendes Wurzelsystem erreicht Wasser- und Nährstoffvorräte, die für andere Pflanzen unerreichbar sind. So belebt sie die Nährstoffkreisläufe in Waldökosystemen und ist gegen Trockenheit geschützt.

Der Name „Weißtanne“ kommt von der auffallend hellgrauen Farbe ihrer Borke. Die Borke umgibt den Baumstamm und schützt die darunterliegende Wachstumszone, das Bastgewebe beziehungsweise Kambium, vor Kälte, Hitze, Verletzungen, Schaderregern und Infektionen. Die Borke besteht vor allem aus Korkzellen und ist wasserdicht. So kann das vom Baum über die Wurzeln aufgenommene Wasser während des Transportes in die Baumkrone nicht auslaufen oder verdunsten. Gleichzeitig schützt die Borke den Holzkörper vor Pilzen, Bakterien und Insekten.

Eine herausragende Eigenschaft der Weißtanne ist ihre legendäre Schattentoleranz: Nur wenige andere europäische Baumarten können es darin mit ihr aufnehmen. So kann die Tanne bis zu 100 Jahre im Schatten älterer Bäume ausharren. Damit ist sie die ideale Baumart für mehrstufig aufgebaute Mischwälder. Die Schattentoleranz ist eine spezielle Strategie der Tanne im Überlebenskampf der Bäume um Sonnenlicht.

Möglich wird diese außergewöhnliche Schattentoleranz durch besondere Anpassungen und Fähigkeiten: Die Tanne gibt ihrem Samen einen großen Nährstoffvorrat mit: Der Tannensamen ist sechsmal schwerer als zum Beispiel der von Fichten. So hat der Tannenkeimling mehr Reserven, um Lichtmangel zu überstehen. Bei Lichtmangel breitet die Tanne ihre Äste horizontal aus, so kann sie auch kleinste Lichtmengen auffangen. Außerdem kann die Tanne spezielle Schattennadeln ausbilden. Diese sind größer als normale Nadeln, kammförmig am Ast angeordnet und dafür optimiert, dass die Photosynthese auch noch bei schlechten Lichtverhältnissen funktioniert. Bei Lichtmangel drosselt die Tanne außerdem Höhen- und Dickenwachstum auf  ein Minimum, denn das Überleben geht vor. Diese weitgehende Einschränkung aller Lebensfunktionen ähnelt dem Winterschlaf einiger Tierarten und wird manchmal als Schattenschlaf bezeichnet. Sobald die Tanne genügend  Licht erhält, endet der überlebenssichernde Schattenschlaf. Das einfallende Licht weckt den kleinen Baum. Die Photosynthese erzeugt genügend Energie, um den Schlafmodus zu verlassen und das Baumwachstum springt unmittelbar wieder an. Ein Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen Pflanzenarten ist dabei, dass die Tanne einen buchstäblich fliegenden Start hinlegen kann: Sie ist bereits bestens verwurzelt, ihre Nadeln sind schon entfaltet   und betriebsbereit, während andere Baumarten erst noch keimen und sich verwurzeln müssen. So wird aus dem vermeintlichen Kümmerling einer der mächtigsten Bäume des Waldes.

Die Weißtanne ist ein Baum der mittel- und südeuropäischen Gebirge. Anders als Fichte und Kiefer kommt die Tanne in Skandinavien nicht vor. Die Weißtanne hat in Süddeutschland den Schwerpunkt ihres weltweiten natürlichen Vorkommens. Gleichwohl ist sie bei uns nur noch auf etwa zwei Prozent der Waldfläche zu finden. Dabei war die Weißtanne vor einigen hundert Jahren in Süddeutschland annähernd so häufig wie die Fichte.

Warum ist ihr Anteil so stark zurückgegangen? Hierfür gibt es eine Reihe von Gründen: Das natürliche Vorkommen der Weißtanne konzentriert sich auf die hoch gelegene Zone der Bergmischwälder der Alpen, des Alpenvorlandes und der Mittelgebirge. Sie ist außerdem eine Baumart mit hohen Ansprüchen an ihren Standort:  Sie bevorzugt gut nährstoffversorgte, basenreiche Standorte. Versauerte Böden meidet sie. Die Weißtanne benötigt gut durchlüftete Böden mit guter Wasserversorgung, nicht zu feucht aber auch nicht zu trocken. Außerdem war   das Holz der Tanne schon immer begehrt: Vom 17. bis ins 19. Jahrhundert wurden zum Beispiel viele Tannenstämme aus dem Schwarzwald und dem Frankenwald nach Holland geflößt, um die weltumspannende holländische Handelsflotte mit Mastbäumen zu versehen. Sie wurden als „Holländerholz“ bekannt.

Dort, wo die Waldnutzung – wie auch bei den großen Reparationshieben nach den beiden Weltkriegen – im Kahlschlag erfolgte, hatte die Tanne kaum eine Chance. Als Spezialist für den Schatten ist ihre Verjüngung auf die spezifischen Bedingungen einer offenen Freifläche nicht vorbereitet. Waldbaulich hat sich daher vielfach die  Fichte durchgesetzt, die mit den Klima- und Konkurrenzbedingungen auf der Freifläche kaum Probleme hat, schneller wächst und vergleichbar gutes Holz liefert. Ein weiterer Grund für den Rückgang der Tanne in unseren Wäldern ist ihre Beliebtheit vor allem beim Rehwild. Tannen ziehen Rehe magisch an, diese naschen mit Vorliebe an den zarten Knospen und Trieben junger Tannen. Der Förster spricht hier von „Wildverbiss“. Bei hohen Wilddichten haben junge Tannen daher nur im Schutzgatter eine Chance, dem Äser der Rehe und Hirsche zu entwachsen. Hinzu kommt, dass die Weißtanne sehr empfindlich auf Luftverunreinigungen, insbesondere Schwefeldioxid, reagiert. Die Sorge um den Gesundheitszustand der Tanne war in Deutschland Auslöser für eine breite Diskussion um das „Waldsterben“ der 70er und 80er Jahre. So hat die Tanne uns frühzeitig gewarnt und ein Umdenken in der Luftreinhaltepolitik, der Ökosystemforschung sowie im Waldbau bewirkt, das bis heute nachwirkt.

Was bedeutet Nachhaltigkeit und wer hat sie erfunden?

Der Begriff Nachhaltigkeit beschreibt das Konzept, eine Ressource nur so und in dem Maße zu nutzen, dass sie keinen Schaden nimmt und nicht endgültig verbraucht, vernichtet oder unbrauchbar wird. Nachhaltigkeit verzichtet bewusst auf die rücksichtslose Ausbeutung einer Ressource sowie auf das unbegrenzte Ausleben des technisch und wirtschaftlich Machbaren.

Der Begriff Nachhaltigkeit beschreibt das Konzept, eine Ressource nur so und in dem Maße zu nutzen, dass sie keinen Schaden nimmt und nicht endgültig verbraucht, vernichtet oder unbrauchbar wird. Nachhaltigkeit verzichtet bewusst auf die rücksichtslose Ausbeutung einer Ressource sowie auf das unbegrenzte Ausleben des technisch und wirtschaftlich Machbaren.

Nachhaltigkeit bedeutet Maßhalten und Einhalten von Regeln an Stelle von einem freien Spiel der Marktkräfte. Nachhaltigkeit ist ein Nutzungskonzept, dessen Kern auf Selbstdisziplin und Selbstbeschränkung beruht. Es basiert auf den Leistungen und Nutzungsverzichten früherer Generationen und verbindet die Interessen der heutigen Nutzer mit dem Wohlergehen künftiger Generationen. Nachhaltigkeit beschränkt sich auf eine schonende, ressourcenerhaltende Nutzung.

Wer das Konzept der Nachhaltigkeit erfunden hat, wissen wir nicht. Vermutlich hat sie sich über viele  Generationen hinweg entwickelt. Der Impuls, über Nachhaltigkeit nachzudenken, entstand erst, als benötigte Ressourcen infolge von Übernutzung knapp wurden. Vielerorts im spätmittelalterlichen Deutschland war der Wald eine solche übernutzte Ressource. Einer der frühesten erhaltenen schriftlichen Nachweise der Nachhaltigkeitsidee findet sich in der kursächsischen Forstordnung von 1560. Im Kern gab sie vor, dass nicht mehr Holz genutzt werden dürfe, als auf Dauer nachwächst. Der Begriff „Nachhaltigkeit“ wurde darin aber noch nicht verwendet. Auch in anderen Regionen wurden vergleichbare Regelungen entwickelt, um die Wälder vor Übernutzung und Verwüstung zu schützen. Doch erst der sächsische Bergmann Hans Carl von Carlowitz prägte 1713 mit seinem Buch „Sylvicultura oeconomica“ den Begriff Nachhaltigkeit. Er lässt sich auch mit der Kurzformel Schutz durch Nutzung zusammenfassen. Wie Förster ihr Revier nachhaltig bewirtschaften, lesen Sie bei der Waldkiefer.

Forstwirtschaft ist mehr als Bäume absägen.

 

Tannenholz

Das Holz der Weißtanne ähnelt dem der Fichte: Es ist leicht und weich, gleichzeitig aber belastbar und biegsam. Tannenholz hat gute Festigkeits- und Elastizitätseigenschaften und lässt sich gut bearbeiten, imprägnieren, spalten und verleimen. Es wird ähnlich vielseitig wie Fichtenholz eingesetzt, im Unterschied zur Fichte ist Tannenholz allerdings harzfrei.

Das Holz der Weißtanne ähnelt dem der Fichte: Es ist leicht und weich, gleichzeitig aber belastbar und biegsam. Tannenholz hat gute Festigkeits- und Elastizitätseigenschaften und lässt sich gut bearbeiten, imprägnieren, spalten und verleimen. Es wird ähnlich vielseitig wie Fichtenholz eingesetzt, im Unterschied zur Fichte ist Tannenholz allerdings harzfrei.

Tannenholz wird als Bau- und Konstruktionsholz, für Innenausbauten, Dielenböden und Möbel, für Dachschindeln, zur Spanplatten-Herstellung und neuerdings für Hightech-Produkte wie Thermoholz verwendet. Darüber hinaus dient Tannenholz auch zur Herstellung von Verpackungsmaterial, von Zellstoff und Papier. Im Musikinstrumentenbau wird Tannenholz als Resonanzboden und zur Herstellung von Orgelpfeifen verwendet. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts fand das Holz im großen Stil auch Verwendung im Schiffsbau. 

Unter Wasser ist Tannenholz sehr beständig, hoch ist auch seine Widerstandskraft gegenüber Alkalien und Säuren, weshalb es gerne im Sauna-Bau und für chemische Behälter verwendet wird. Soll das Holz dagegen in Bereichen eingesetzt werden, in denen es der direkten Witterung ausgesetzt ist, muss es mit Holzschutzmittel imprägniert und dauerhaft gemacht werden. 

Als Brennholz weist Tannen-Holz einen eher niedrigen Brennwert von 1.400 bis 1.500 Kilowattstunden auf und ist wegen seiner Neigung zum Funkenflug nur für geschlossene Öfen geeignet. Dort wird es wegen seiner leicht entzündbaren Eigenschaften gerne als Anheiz-Holz verwendet.

Tannenzweig und -zapfen

„Oh Tannenbaum, oh Tannenbaum, wie grün sind deine Blätter …“: Seit bald 200 Jahren ist dieses Lied aufs engste mit Weihnachten verbunden. Tatsächlich hat die Tanne keine Blätter sondern Nadeln. Diese sind weich, biegsam und pieksen nicht, was sie von den Nadeln der Fichte deutlich unterscheidet. Die Nadeln zählen zu den wichtigsten Organen eines Baumes, denn hier findet die Photosynthese statt.

„Oh Tannenbaum, oh Tannenbaum, wie grün sind deine Blätter …“: Seit bald 200 Jahren ist dieses Lied aufs engste mit Weihnachten verbunden. Tatsächlich hat die Tanne keine Blätter sondern Nadeln. Diese sind weich, biegsam und pieksen nicht, was sie von den Nadeln der Fichte deutlich unterscheidet. Die Nadeln zählen zu den wichtigsten Organen eines Baumes, denn hier findet die Photosynthese statt.

Die Nadeln der Tanne sind sehr dauerhaft, sie bleiben bis zu elf Jahre am Baum. Eine Besonderheit ist, dass die Tanne spezielle Schattennadeln ausbilden kann. Diese sind größer als normale Nadeln, kammförmig am Ast angeordnet und dafür optimiert, dass die Photosynthese auch bei schlechten Lichtverhältnissen funktioniert. Das ist Teil ihrer Überlebens- und Vermehrungsstrategie, denn so kann sie bis zu 100 Jahren im Schatten älterer Baumarten ausharren (siehe oben).

Die Tannennadeln enthalten ebenso wie Rinde und Zapfenschuppen den so genannten Tannenbalsam: Das ist eine besondere Mischung aus Harz und Öl mit entzündungshemmender Wirkung. Tannenbalsam wird seit alters her in der Heilkunde gerne verwendet. Er gilt als wärmend, durchblutungsfördernd und antibakteriell, soll das Abhusten von Schleim fördern und bei Muskel- und Nervenschmerzen sowie bei rheumatischen Erkrankungen entspannend wirken. Viele Erkältungsbalsame oder Kräuterbäder enthalten deshalb Inhaltsstoffe, die aus der Weißtanne gewonnen werden.

Die Zapfen der Tanne sind grün und stehen stets aufrecht auf dem Zweig. Wenn die in den Zapfen enthaltenen Samen ausgereift sind, lösen sich die Samen mit den Samenschuppen und fallen auf den Waldboden. Auf dem Zweig bleibt eine kleine kerzenartige Spindel zurück. Bei der Fichte fallen die Zapfen dagegen als Ganzes ab. Ein Tannenzapfen enthält etwa 50 keimfähige Samen.

Zapfenschuppe und Samen

Die Weißtanne ist getrenntgeschlechtig und einhäusig, das heißt, auf einem Baum gibt es männliche und weibliche Blüten gleichzeitig. Die Bestäubung erfolgt mit Hilfe des Windes. Hierzu erzeugen die männlichen Blüten Unmengen von Pollenkörnern, die durch den Wind verfrachtet werden.

Die Weißtanne ist getrenntgeschlechtig und einhäusig, das heißt, auf einem Baum gibt es männliche und weibliche Blüten gleichzeitig. Die Bestäubung erfolgt mit Hilfe des Windes. Hierzu erzeugen die männlichen Blüten Unmengen von Pollenkörnern, die durch den Wind verfrachtet werden. Einige davon landen erfolgreich auf den Narben der weiblichen Blüten. Das Erzeugen der Pollenkörner ist eine Kraftanstrengung für den Baum, macht ihn aber unabhängig von der Bestäubung durch Tiere wie Bienen und Hummeln.

Aus den befruchteten weiblichen Blüten entwickeln sich die Tannenzapfen mit den darin eingebetteten Samenkörnern. Das Samenkorn eines Baumes ist im Prinzip ähnlich aufgebaut wie ein Vogelei: Innen liegt ein vollständiger Embryo, ausgestattet mit allen Nährstoffen, die er zum Wachsen benötigt. Eine harte Schale schützt ihn vor äußeren Einflüssen, insbesondere vor dem Austrocknen. Der Tannensamen ist dreikantig und – gemessen an der Größe des ausgewachsenen Baumes mit circa einem Zentimeter Länge winzig: 1.000 Samenkörner wiegen nur rund 50 Gramm. Mit seinem Flügel kann der Tannensamen sanft nach unten gleiten und sich dabei vom Wind mitnehmen lassen. So verbreitet die Tanne ihre Samen, die weit entfernt vom Mutterbaum landen und keimen können.

Wer kennt schon das Forstvermehrungsgutgesetz?

Wer nicht warten möchte, bis eine Tanne zufällig in seinem Wald keimt und anwächst, der kann von einer Samenklenge oder einer Forstbaumschule auch Saatgut oder bereits vorgezogene kleine Bäumchen kaufen.

Wer nicht warten möchte, bis eine Tanne zufällig in seinem Wald keimt und anwächst, der kann von einer Samenklenge oder einer Forstbaumschule auch Saatgut oder bereits vorgezogene kleine Bäumchen kaufen. Das Forstvermehrungsgutgesetz regelt die Anzucht und den Handel mit forstlichem Saat- und Pflanzgut. Es stellt  sicher, dass im Wald nur an unsere Standortverhältnisse angepasste Bäume gesät und gepflanzt werden. Teil dieser Vorschriften ist es, dass forstliches Vermehrungsgut nur in amtlich begutachteten und zugelassenen  Waldbeständen gewonnen werden darf. So schützt das Forstvermehrungsgutgesetz den Wald und die Waldbesitzer vor unliebsamen Überraschungen. Denn ist ein Baum erstmal gepflanzt, dauert es rund 100 Jahre und mehr, bis er geerntet werden kann. Das ist einer der großen Unterschiede zwischen Land- und Forstwirtschaft: Während der Landwirt seinen Acker jeden Jahr aufs Neue bestellt und sich dabei jedes Mal für eine andere Feldfrucht entscheiden kann, legt sich der Waldbesitzer mit seiner Baumartenwahl auf lange Zeit fest. 

Forstwirtschaft ist mehr als Bäume absägen.

Der Uhu

Er trägt den Beinamen „König der Nacht“. Sein Ruf ist bis heute unverzichtbarer Soundeffekt, um im Film oder Theater gruselige Szenen einzuleiten. Der Uhu (Bubo bubo) selbst wäre darüber vielleicht höchst überrascht und beleidigt, wenn er das wüsste: Denn sein unverwechselbarer Ruf ist ein Balzruf.

Er trägt den Beinamen „König der Nacht“. Sein Ruf ist bis heute unverzichtbarer Soundeffekt, um im Film oder Theater gruselige Szenen einzuleiten. Der Uhu (Bubo bubo) selbst wäre darüber vielleicht höchst überrascht und beleidigt, wenn er das wüsste: Denn sein unverwechselbarer Ruf ist ein Balzruf: Mit seiner Hilfe können die dämmerungs- und nachtaktiven Vögel auch in dunkler Nacht einen Brutpartner finden. Der Ruf markiert gleichzeitig ihr Revier gegen Artgenossen. Anders als bei den meisten Vögeln baut der Uhu kein Nest, sondern legt seine zwei bis vier Eier in einer Felsnische oder auf einem Felsvorsprung ab.

Mit einer Körperlänge von 60 bis 75 Zentimetern und einer Flügelspannweite von 160 bis 180 Zentimetern ist der Uhu die weltweit größte Eule. Damit steht er dem tagaktiven Steinadler kaum nach. Der Uhu ist ein sehr geschickter Jäger und bestens für die Nachtjagd gerüstet:

  • Sehkraft: Er hat riesengroße Augen, sie nehmen rund ein Drittel des Kopfes ein, sind orangegelb, scharf und extrem lichtempfindlich. Damit kann er nachts wie auch am Tag sehr gut sehen. Die Augen sind eulentypisch nach vorne gerichtet und unbeweglich, die Augäpfel sind mit dem Schädelknochen verwachsen. So kann der Uhu sehr gut räumlich sehen. Zum Ausgleich der unbeweglichen Augen kann der Uhu seinen Kopf um 270 Grad drehen. Mit einer Kopfdrehung nach rechts kann er daher nicht nur        nach hinten, sondern sogar bis über die eigene linke Schulter sehen. Das ist nur möglich, weil er eulentypisch 14 Halswirbel hat, während alle anderen Wirbeltiere nur sieben Halswirbel haben.
  • Gehör: Für die Nachtjagd mindestens genauso wichtig ist sein ausgesprochen gutes Gehör, denn bei völliger Dunkelheit ist auch der Uhu blind. So kann der Uhu nicht nur die Richtung, sondern auch die Entfernung der leisesten Geräusche wahrnehmen und seine Beute noch auf etwa 60 Meter Entfernung exakt orten.
  • Schnelligkeit: Der Uhu ist ein schneller Flieger, der andere schnellfliegende Vögel wie zum Beispiel Tauben im Flug einholen kann. Doch auch „zu Fuß“ ist er flink und behände. So hat er keine Probleme, vom Boden aus eine Maus zu erbeuten.
  • Lautlos ist sein Flug: Sägeartig gekerbte Schwungfedern ermöglichen einen Flug ohne Luftverwirbelung und ohne Fluggeräusche. So kann sich der Uhu im „Schleichflug“ bei Nacht unbemerkt an seine Beute herankommen und diese überraschen.
  • Erfahrung: Der Uhu kann in freier Natur bis zu 25 Jahre, in Gefangenschaft sogar bis zu 45 Jahre alt werden.

Perfekte Sinne, Schnelligkeit, Erfahrung und lautloser Angriff: Mit dem Überraschungsmoment auf seiner Seite entkommt dem Uhu kaum ein Beutetier. Wenn es ihn überhaupt noch wahrnimmt, ist es meist schon zu spät. Der Uhu verschlingt kleine Beutetiere im Ganzen, mit Haut und Haar. Die unverdaulichen Teile, wie Knochen, Haare oder Federn, werden eulentypisch in Form von kleinen Ballen, dem so genannten Gewölle, wieder ausgewürgt.

Bei der Wahl seiner Beute ist der Uhu nicht wählerisch: Zu seinem Beutespektrum zählen Igel, Ratten, Mäuse, Kaninchen, Feldhasen, Rabenvögel, Tauben und Enten. Insgesamt wurden in seinen Gewöllen mehr als 50 unterschiedliche Säugetierarten und fast 180 Vogelarten nachgewiesen. Kein Wunder, dass der Uhu bei anderen Vögeln daher sehr unbeliebt ist. Auf einen tagsüber entdeckten Uhu regieren sie mit aggressivem Verhalten. Laut lärmend machen sie auf den entdeckten Räuber aufmerksam und fliegen teilweise sogar Scheinangriffe. Dieses Verhalten wird „hassen“ genannt.

 

Reh mit Kitz

Das Reh ist nicht die Frau vom Hirsch, sondern eine andere, eigenständige Art. Es ist die kleinste europäische Hirschart und bundesweit verbreitet. Es ist sehr gut an das Leben in unserer Kulturlandschaft angepasst und kann genauso im geschlossenen Wald wie in waldlosen Feldgebieten leben.

Das Reh ist nicht die Frau vom Hirsch, sondern eine andere, eigenständige Art. Es ist die kleinste europäische Hirschart und bundesweit verbreitet. Es ist sehr gut an das Leben in unserer Kulturlandschaft angepasst und kann genauso im geschlossenen Wald wie in waldlosen Feldgebieten leben. Bevorzugter Lebensraum sind jedoch Waldränder mit vielen Wald-Feld-Übergangszonen, die sowohl freie Wiesen als auch dichte Deckung bieten. 

Vom deutlich größeren Rotwild unterscheidet sich das Rehwild nicht nur in der Körpergröße sondern auch in Verhalten, Lebensweise und im Körperbau. So hat sich das Reh zum Beispiel auf eine Nahrungsstrategie spezialisiert, die der Wildökologe als Konzentratselektierer bezeichnet: Konzentratselektierer ernähren sich überwiegend von leicht verdaulicher, eiweißreicher Kost wie Gräsern, Kräutern, Knospen und Blättern. Das Reh kann nicht viel Nahrung auf einmal aufnehmen und muss deshalb mehrfach am Tag jeweils kleine Mengen äsen. Das Rotwild ist dagegen ein so genannter Raufutterfresser. Beide sind jedoch Wiederkäuer.

Rehe sind Feinschmecker und sehr wählerisch. Sie fressen gerne das, was frisch und zart ist. Daher lieben sie die Knospen von jungen Bäumen; am besten scheint ihnen die Terminal- oder Hauptknospe zu schmecken. So können schon wenige Rehe in einer Waldverjüngung innerhalb kurzer Zeit großen Schaden anrichten. Waldökologisch problematisch ist dabei ihre ausgesprochene Vorliebe für die Knospen von Laubbäumen, Tannen und seltenen Baumarten. So wirkt das Rehwild aktiv am Waldbau mit, leider mit unerwünschten Folgen: Waldökologisch wichtige und erwünschte, aber seltene Laub- und Mischbaumarten werden verbissen und zurück gedrängt, häufig vorkommende Hauptbaumarten dagegen eher verschont.

Besonders deutlich erkennbar ist das überall dort, wo Verjüngungsflächen im Wald zum Schutz vor Wildverbiss eingezäunt sind: Ist der Zaun intakt, so stellt sich meist schon nach kurzer Zeit eine rasch wachsende, zahl- und auch artenreiche Baumverjüngung ein, auch dort, wo der Waldboden außerhalb des Zaunes wie leer gefegt erscheint. Der Förster spricht hier ironisch von der „düngenden Wirkung des Zaunes“. Innerhalb der gezäunten Fläche – wie übrigens auch im gesamten Wald – wird jedoch nicht gedüngt. Der einzige Unterschied ist, dass die Rehe im Zaum keinen Zugang haben und dort daher nicht fressen können.

Damit die Wildbestände und ihr Einfluss auf das Waldökosystem nicht zu groß werden, wird das Rehwild bejagt. Das ist für die Jäger eine große Herausforderung, denn das Reh verfügt über gute Sinne und ist ein Meister darin, sich unsichtbar zu machen.

Der Jagdhund

Viele unserer Hunderassen wurden ursprünglich für die Jagd gezüchtet. Einige davon, wie Pudel und Yorkshire Terrier, werden heute zwar nicht mehr als Jagdhunde eingesetzt. Andere, wie Cocker Spaniel, Dackel und Golden Retriever, sind mit ihren vielfältigen Eigenschaften nach wie vor unverzichtbare Helfer bei der Jagd.

Viele unserer Hunderassen wurden ursprünglich für die Jagd gezüchtet. Einige davon, wie Pudel und Yorkshire Terrier, werden heute zwar nicht mehr als Jagdhunde eingesetzt. Andere, wie Cocker Spaniel, Dackel und Golden Retriever, sind mit ihren vielfältigen Eigenschaften nach wie vor unverzichtbare Helfer bei der Jagd.

Voraussetzung ist jedoch, dass sie dafür bestimmte Eigenschaften mitbringen und entsprechend ausgebildet sind. Dann können sie vielfältige Aufgaben erledigen. Ohne gut ausgebildete Jagdhunde ist eine tierschutzgerechte Jagdausübung nicht möglich. In den Jagdgesetzen der Bundesländer ist es daher vorgeschrieben, dass für bestimmte Jagdarten „brauchbare Jagdhunde“ einzusetzen sind. Die jagdliche Brauchbarkeit der Hunde, das heißt die besondere Eignung für die Jagd, wird im Rahmen von anerkannten Prüfungen der Jagdgebrauchshundeverbände festgestellt. Ausgebildete und geprüfte Jagdhunde spüren das Wild auf und helfen dabei, verletzte Tiere schnellst- möglich zu finden und von ihrem Leid zu erlösen.

Je nach ihren spezifischen Eigenschaften werden Vorsteh-, Stöber-, Apportier-, Lauf- und Erdhunde eingesetzt. Vorstehhunde, dazu zählen Münsterländer, Setter, Weimaraner und Deutsch Drahthaar, sind Meister im Aufspüren und Anzeigen von Wild in niedrig bewachsenem Gelände. Die wichtigste Eigenschaft der Stöberhunde (Cocker Spaniel, Wachtel) ist das selbständige, laute Jagen in dicht bewachsenem Gelände. Sie spüren das Wild auf und treiben es dem Jäger zu. Apportierhunde wie der Golden Retriever und der Labrador Retriever sind wasserfreudige Spezialisten im Aufspüren und Bringen von Enten. Zu den wichtigsten Fähigkeiten der Laufhunde zählen die  Suche nach verletztem Wild (Schweißhund) und das ausdauernde Jagen (Bracken, Beagle). Erdhunde, das ist die Bezeichnung für Teckel und Terrier, sind wegen ihrer kleinen Statur Spezialisten für die Jagd am Fuchs- und Kaninchenbau. Sie können aber auch zum Stöbern und Suchen von Wild eingesetzt werden.

 

Für alle Jagdhunderassen gilt: Sie wollen und müssen als Arbeitshunde gefordert werden. Damit Hund und Hundehalter zufrieden sind, muss der Jagdhund artgerechte Betätigung haben. Als Familienhund ohne weitere Aufgaben ist er unterfordert: Kann er seinen Arbeitseifer nicht befriedigen, sind Probleme für die Hundehalter vorgezeichnet. Für viele Förster zählt die Jagd zu ihren Dienstaufgaben. Ihre Jagdhunde sind Diensthunde.  Forstwirtschaft ist mehr als Bäume absägen.