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Biodiversität im Wald

Durch die Klimakrise stehen unseren Wäldern rasante Veränderungen bevor. Deren Anpassungsfähigkeit ist entscheidend abhängig von der biologischen Vielfalt.

Der Wald stellt uns Menschen eine Vielzahl an Gütern und Leistungen zur Verfügung. Dazu zählen etwa der nachwachsende Rohstoff Holz, die Sauerstoffproduktion, die Kohlenstoffspeicherung, die Reinigung von Luft und Wasser oder die Bildung fruchtbarer Böden. Die Biodiversität schafft dafür die Voraussetzungen.

Infobox - Biodiversität

                                                              

Die Biodiversität, oder auch Biologische Vielfalt, bildet die Grundlage für die Ökosystemleistungen und ist der Schlüssel zur Anpassungsfähigkeit der Wälder an sich ändernde Umweltbedingungen.

Sie umfasst ein komplexes Zusammenspiel aus den drei eng miteinander verknüpften und sich gegenseitig beeinflussenden Komponenten:

  • Artenvielfalt,
  • genetischer Vielfalt innerhalb der Arten und
  • Ökosystemvielfalt.

Die drei Komponenten unter der Lupe

Ein Ökosystem besteht aus einer Lebensgemeinschaft von Organismen verschiedener Arten (Biozönose) und ihrer abiotischen Umwelt (Biotop). Die Ökosystemvielfalt ist abhängig von den abiotischen Standortfaktoren (z. B. Boden und Klima), der vorhandenen Artenvielfalt sowie den Wechselwirkungen der Arten untereinander und mit ihrer unbelebten Umwelt. Bei Wäldern hat darüber hinaus auch die Bewirtschaftungsweise und damit Alter und vertikale Struktur Einfluss auf die Ökosystemvielfalt.

Die Vielfalt an verschiedenen Arten ist vor allem von der Strukturvielfalt des Lebensraums abhängig. Eine hohe Artenvielfalt herrscht vor allem in Wäldern mit einer hohen horizontalen Heterogenität und vielfältigen Totholzstrukturen. Einen großen Einfluss haben auch sogenannte Schlüsselarten (z. B. Spechte, Waldameisen oder Bienen). Sie übernehmen unersetzbare Funktionen im Ökosystem, von denen zahlreiche Folgenutzer profitieren. Zum Schutz der Biodiversität ist nicht die Maximierung der Artenzahl entscheidend, sondern der Erhalt der lebensraumtypischen Artenvielfalt.

Die genetische Vielfalt bezeichnet die Anzahl verschiedener Genvarianten innerhalb einer Art. In Situationen sich ändernder Umweltbedingungen kann eine hohe genetische Varianz durch flexible Anpassungsprozesse den Fortbestand einer Art ermöglichen. Der Verlust an genetischer Vielfalt bedeutet im Umkehrschluss, dass sich die betroffene Art schlechter anpassen kann, verstärkt unter Umweltschwankungen leidet und im ungünstigsten Fall verdrängt wird.

Biodiversität im Wald – ökologische Bedeutung

Wälder mit einer hohen Biodiversität zeichnen sich meist durch eine höhere Stabilität gegenüber Störungen sowie eine höhere Plastizität zur Anpassung an veränderte Umweltbedingungen aus. In Zeiten der Klimakrise ist damit eine möglichst hohe biologische Vielfalt ein grundsätzliches anzustrebendes Ziel für alle Wälder.

Die Auswirkungen des Verlustes oder Austauschs von Teilen der biologischen Vielfalt etwa durch Klimaänderung oder invasive Arten ist nicht absehbar. Fehlende Biodiversität schränkt zudem die Bereitstellung der Ökosystemleistungen stark ein. Der Schutz der Biodiversität ist daher nicht nur im Naturwald, sondern auch in Wirtschaftswäldern eine wichtige Aufgabe.

Intensive Forschung

Um die nachhaltige Bereitstellung der Ökosystemleistungen von Wäldern zukünftig sicherzustellen, ist es auch wichtig, die biologische Vielfalt zu schützen. Daher beschäftigen sich verschiedene Forschungsprojekte des Förderprogrammes Nachwachsende Rohstoffe (FPNR) sowie des Waldklimafonds (WKF) auch mit dem Erhalt der Biodiversität.

Dass Mischbestände widerstandsfähiger gegenüber Kalamitäten sind, wurde bereits mehrfach erforscht und bewiesen. Wissenschaftler der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg und des Karlsruher Instituts für Technologie zeigten etwa im WKF-Vorhaben BuTaKli, dass Buchen-Tannen-Mischwälder bei Trockenstress viele ökologische Vorteile bieten können.

Bei der Baumartenmischung darf aber die standorttypische Artenvielfalt nicht aus den Augen gelassen werden. Freiburger Forstwissenschaftler fanden dazu im WKF-Projekt BioDiv heraus, dass die Artenvielfalt der Bodenvegetation in Buchenwäldern mit Douglasienbeimischung zunimmt. Typische Buchenwaldarten werden allerdings zugunsten von Störanzeigern verdrängt. Daher ist im Sinne des Biodiversitätsschutzes in Buchenwäldern, in denen der Naturschutz und nicht die Holzproduktion im Vordergrund steht, von einer Douglasienbeimischung abzuraten.

Zum Schutz von gefährdeten Waldinsekten startete Ende 2018 mit InsHabNet ein FPNR-gefördertes Modellprojekt. Erste Auswertungen der Landesforstanstalt Mecklenburg-Vorpommern sorgten für erfreuliche Überraschungen. In den untersuchten Gebieten konnten nicht nur seltene und gefährdete Insektenarten gefunden, sondern sogar Neufunde dokumentiert werden. Darüber hinaus gelang der Nachweis verschiedener Urwaldreliktarten. Dies sind Indikatoren für ein ununterbrochenes Vorhandensein von Wald mit alten Bäumen, hohem Totholzanteil und wertvollen Waldstrukturen.

Auch die genetische Vielfalt ist Gegenstand vieler Forschungsbemühungen. So zielen etwa Projekte des Verbundvorhabens FraxForFuture darauf ab, die Gemeine Esche als wichtige heimische Wirtschaftsbaumart zu erhalten. Dafür werden gegen das Eschentriebsterben resistente Einzelbäume identifiziert, molekularbiologisch analysiert und gezielt vermehrt.

Auch die WKF-Projekte aus dem Förderaufruf „Forstpflanzenzüchtung“ beschäftigen sich mit der genetischen Vielfalt. Dabei geht es um die Anpassung der Wälder an den Klimawandel durch die Selektion von zukunftsfähigem Vermehrungsgut.

Biodiversität und Waldbewirtschaftung

Die Biodiversität in Deutschlands Wäldern hängt im hohen Maß von der Bewirtschaftungsart ab. Nachhaltige Forstwirtschaft und biologischen Vielfalt schließen sich dabei nicht aus. Im Gegenteil, eine naturnahe Waldbewirtschaftung erhält und fördert die Biodiversität.

In den Waldbaukonzepten der forstlichen Landesbetriebe ist der Schutz der biologischen Vielfalt ein fester Bestandteil. Beispiele hierfür sind das „LÖWE“-Programm der Niedersächsischen Landesforsten, das Waldbaukonzept Nordrhein-Westfalen oder das Naturschutzkonzept der Bayerischen Staatsforsten. Das Ziel dieser Konzepte besteht darin, eine nachhaltige Waldbewirtschaftung und den Erhalt sowie die Förderung von Biodiversität in Einklang zu bringen.

Bewirtschaftungsmaßnahmen, die dem Schutz der biologischen Vielfalt dienen, sind beispielsweise die Etablierung strukturreicher Mischbestände unter Verwendung standortgerechter Baumarten, die Bereitstellung vielfältiger Totholzstrukturen sowie der Verzicht auf Kahlschläge, Pflanzenschutzmittel und Düngung. Punktuelle forstliche Maßnahmen sowie das Zulassen von natürlicher Waldentwicklung auf ausgewählten Flächen erhöhen die horizontalen und vertikalen Strukturen und fördern so die Biodiversität.

Das Verbundvorhaben BiCO2 untersucht in diesem Kontext unter anderem die Auswirkungen unterschiedlicher Waldbewirtschaftungsintensitäten auf die ober- und unterirdische Biodiversität. Auch im Projekt WABI ist der Einfluss der Bewirtschaftung auf die biologische Vielfalt Untersuchungsgegenstand. Zusätzlich soll ein Monitoringsystem entwickelt werden, mit dem die Effekte der forstlichen Nutzung auf die Biodiversität von Wäldern abgeschätzt werden können.

Rechtlicher Rahmen

Der Schutz und Erhalt der biologischen Vielfalt ist in § 1 „Ziele des Naturschutzes und der Landschaftspflege“ des Bundesnaturschutzgesetzes verankert.

Darüber hinaus ist die Sicherung der Biodiversität Gegenstand verschiedener internationaler Abkommen und nationaler Beschlüsse.

Infobox - Schutz der Biodiversität
International

Übereinkommen über die biologische Vielfalt (Convention on Biological Diversity - CBD)

Ramsar-Konvention zum Schutz von Feuchtgebieten (Convention on Wetlands)
Washingtoner Artenschutzübereinkommen (Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora - CITES)
EUEU-Biodiversitätsstrategie
NationalNationale Strategie zur biologischen Vielfalt (NBS)

Ausgewählte Projekte:

Verbundvorhaben: Buchen-Tannen-Mischwälder zur Anpassung von Wirtschaftswäldern an Extremereignisse des Klimawandels (BuTaKli)
https://www.waldklimafonds.de/index.php?id=13913&fkz=22WC406901

Effekt der Beimengung von trockenheitstoleranten Baumarten in Rotbuchenbeständen für die pflanzliche Diversität (Gefäßpflanzen, Moose, Flechten) [BioDiv]
https://www.waldklimafonds.de/index.php?id=13913&fkz=2219WK14X4

Erarbeitung, Optimierung und Umsetzung von Schutzstrategien für durch Lebensraumfragmentierung gefährdete Insektenpopulationen mit Maßnahmen eines wirkungsvollen Biotopverbundes in und außerhalb von Wäldern (InsHabNet)
https://www.fnr.de/index.php?id=11150&fkz=22013518

Demonstrationsprojekt Erhalt der Gemeinen Esche (FraxForFuture)
https://www.waldklimafonds.de/fileadmin/Projekte/2021/Eschentriebsterben/PM-2020-35_uebersicht_aller_projekte-eschentriebsterben_1.pdf

Verbundvorhaben: Biodiversität und Kohlenstoffspeicherung in Wäldern unterschiedlicher Nutzungsintensität (BiCO2)
https://www.waldklimafonds.de/index.php?id=13913&fkz=2218WK23A4

Verbundvorhaben: Einfluss der Waldbewirtschaftung auf die Biodiversität in Wäldern (WABI)
https://www.fnr.de/index.php?id=11150&fkz=22011418

Weiterführende Information:

Infografik – Biodiversität im Wald:
https://mediathek.fnr.de/biodiversitat-im-wald-infografik.html

Grafik – Artenvielfalt der Waldpflanzen und Flechten:
https://mediathek.fnr.de/grafiken/daten-und-fakten/forstwirtschaft/biologische-vielfalt-der-waldpflanzen-und-flechten.html

Wissenswertes zum Artenschutz im Wald:
https://www.kiwuh.de/service/wissenswertes/wissenswertes/natur-und-artenschutz-im-wald

Pressemitteilung zum Projekt „BioDiv“: https://www.kiwuh.de/presse/pressemitteilungen/aktuelle-nachricht/biodiversitaet-im-klimawald

Pressemitteilung zum Projekt „WABI“:
https://news.fnr.de/fnr-pressemitteilung/monitoringsystem-zur-artenvielfalt-in-wirtschafts-und-naturwaeldern-entsteht

Pressemitteilung zum Projekt „InsHabNet“:
https://news.fnr.de/fnr-pressemitteilung/insektenforscher-finden-verschollene-arten-in-mv

Tagungsbeiträge des 2. WKF-Themennachmittags „Seminar Biodiversität in Wäldern vor dem Hintergrund des Klimawandels“
https://veranstaltungen.fnr.de/wkf-seminare/tagungsbeitraege

Quellen:

Ammer et al. (2017): Waldbewirtschaftung und Biodiversität: Vielfalt ist gefragt. AFZ-Der Wald (17/2017), S. 20 – 25.

BMEL (2022): Unser Wald https://www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/DE/Broschueren/unser-wald-2022.pdf?__blob=publicationFile&v=10

BMEL: BWI 2012 und TGI 2017 https://www.bundeswaldinventur.de/

Lauterbach et al. (2021): Waldnaturschutz in Natura 2000-Gebieten – und darüber hinaus… LWF aktuell (3/2021), S. 6 – 10.

Müller und Hilmers (2020): Katastrophen für den Menschen – Segen für die Biodiversität. LWF aktuell (4/2020), S. 13 – 15.

BfN (2017): Analyse und Diskussion naturschutzfachlich bedeutsamer Ergebnisse der dritten Bundeswaldinventur. BfN-Skripten 427. PDF: https://www.bfn.de/sites/default/files/BfN/service/Dokumente/skripten/skript427.pdf

BfN (2015): Artenschutzreport. PDF: https://www.bfn.de/sites/default/files/2021-04/Artenschutzreport_Download.pdf 

Europäisches Parlament (2020):  Verlust der Biodiversität: Ursachen und folgenschwere Auswirkungen. https://www.europarl.europa.eu/news/de/headlines/society/20200109STO69929/verlust-der-biodiversitat-ursachen-und-folgenschwere-auswirkungen (zuletzt zugegriffen am: 06.03.2023)

Pressekontakt:

Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V.
Martina Plothe

Tel.:        +49 3843 6930-311
Mail:       m.plothe(bei)fnr.de

Erstellt von Juliane Dabels
Die Infografik „Biodiversität im Wald“ stellt die Zusammenhänge der biologischen Vielfalt anschaulich dar. Quelle: FNR
Die Infografik „Biodiversität im Wald“ stellt die Zusammenhänge der biologischen Vielfalt anschaulich dar. Quelle: FNR
Die Biodiversität umfasst drei Aspekte: die Vielfalt der Tier- und Pflanzenarten, die genetische Vielfalt innerhalb der Arten und die Ökosystemvielfalt. Fotos: Willi Rolfes
Die Biodiversität umfasst drei Aspekte: die Vielfalt der Tier- und Pflanzenarten, die genetische Vielfalt innerhalb der Arten und die Ökosystemvielfalt. Fotos: Willi Rolfes
Naturnahe Mischwälder bieten zahlreiche horizontale und vertikale Strukturen - Voraussetzungen zum Schutz und zur Förderung der Biodiversität. Foto: FNR/Siria Wildermann
Naturnahe Mischwälder bieten zahlreiche horizontale und vertikale Strukturen - Voraussetzungen zum Schutz und zur Förderung der Biodiversität. Foto: FNR/Siria Wildermann
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