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Ungebetenen Gästen auf der Spur: Forstschädlinge erkennen

FNR-Broschüre stellt 43 Gefahren für Hauptbaumarten vor

„Wichtige Forstschädlinge – erkennen, überwachen, bekämpfen“ lautet der Titel einer neuen Publikation, die die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V. (FNR) jetzt herausgegeben hat. Die Broschüre beschreibt 43 Arten, die wirtschaftlich bedeutsame Schäden in forstlichen Jung- und Altbeständen verursachen können. Außerdem enthält sie Informationen zum Pflanzenschutz im Wald und zu Beratungseinrichtungen.

Schäden an Wurzeln, Rinde oder Holz, an Blättern und Nadeln oder gar komplexe Erkrankungen können die Folge sein, wenn die Populationen von Pilzen oder Käfern, Raupen und Faltern, Läusen oder Mäusen im Forst Überhand nehmen.

Der Schadensbegriff sei je nach Zieldefinition des Betrachters relativ, räumen die Verfasser des Werkes ein. Aus ökologischer Sicht handelt es sich bei biotischen Schadereignissen um „Störungen“ unterschiedlichen Ausmaßes. Das Zusammenspiel verschiedener Schadfaktoren allerdings kann ganze Baumbestände und ihre Ökosystemleistungen substanziell gefährden.

Prominente Vertreter in Jung- und Altbeständen

Kritisch wird es etwa, wenn Engerlinge des Maikäfers in großer Zahl drei bis vier Jahre lang das Wurzelwerk junger Eichen und Buchen benagt haben und sich die flugfähigen Käfer im darauffolgenden Frühjahr über den frischen Austrieb der geschwächten Bäume hermachen.

Auf die Wurzeln junger Laubhölzer abgesehen hat es u. a. auch die Schermaus: Nach dem Abnagen von Seiten- und Haupttrieben hinterlässt sie einen wurzellosen, biberfraßähnlich angespitzten Stamm im Boden. Sehr junge Bäumchen werden direkt am Wuchsort verschmaust und dafür senkrecht in den Gang gezogen; ihr Laub bleibt als löwenzahnähnliche Blattrosette oberirdisch zurück. Rüsselkäfer oder Hornblattwespen sind weitere Rindenschädlinge, vornehmlich in Kiefernbeständen. Lärchenminiermotte oder Tannentrieblaus saugen an den frischen Nadeltrieben ihrer Wirte, Wollläuse bevorzugen Douglasiennadeln.

In Altbeständen können beispielsweise Kiefern- oder Buchenprachtkäfer, Fichten- oder Lärchenbock zur Gefahr für Rinde und Holz werden. Spanner, Spinner, Wickler, Falter oder Blattwespen verursachen Laub- und Nadelschäden.

Eichen- und Buchenschadkomplexe werden in der Broschüre ebenfalls betrachtet. Ein typischer Folgeschädling bei komplexen Buchenerkrankungen ist der Sägehörnige Werftkäfer. Dessen in Rindenrissen kränkelnder Bäume abgelegten Eiern entschlüpfen Larven, die sich mehr als 20 Zentimeter tief ins Holz bohren und der Besiedlung des Stammes durch Weißfäulepilze Vorschub leisten. Bohrkäfer können auch auf Wertholzlagerplätzen Eichen-, Buchen- und Nadelholzstämme befallen.

Makro-Fotos und Bionomie-Code

Zu jedem Forstschädling der Hauptbaumbaumarten in Jung- und Altbeständen werden Bedeutung und Schadbild, Artkennzeichen und Lebensweise sowie Optionen für Überwachung, Prognose und Bekämpfung aufgelistet. Zusätzlich sind die Arten alphabetisch auffindbar. Kurzes Einlesen erfordert das Entschlüsseln der jeweiligen Bionomieformel. Der Code aus Ziffern, Buchstaben und Sonderzeichen gibt Auskunft über Entwicklungsstadien, Auftreten der adulten Tiere und Überwinterung. Höchst eindrucksvolle Makroaufnahmen der Schadbilder und ihrer Verursacher komplettieren die Sammlung.

Den Einstieg in die Lektüre bilden Informationen zu Waldschutz und Klimawandel, zu Vorsorge, Risikoerkennung oder zum maßvollen Umgang mit Pflanzenschutzmitteln und zu rechtlichen Fragen.

Hintergrund:

Seit den Dürre- und Borkenkäfer-Sommern der Jahre 2018 bis 2020 erfassen die Bundesländer die Mengen des in den Wäldern anfallenden Schadholzes. Von 2018 bis 2021 fiel bundesweit Schadholz in der Größenordnung von insgesamt 211,4 Millionen Kubikmetern an.

Waldbesitzende und Forstbetriebe haben die Aufgabe, drastischen Schäden an Wald und Rohholz angemessen vorzubeugen und entgegenzuwirken. Risikoarme Maßnahmen des integrierten Pflanzenschutzes vermeiden oder minimieren negative Auswirkungen auf Mensch und Umwelt. Die neue FNR-Broschüre „Wichtige Forstschädlinge“ ist dabei ein hilfreicher Begleiter.

Die FNR ist seit 1993 als Projektträger des BMEL für das Förderprogramm Nachwachsende Rohstoffe aktiv. Sie unterstützt außerdem Forschungsthemen in den Bereichen nachhaltige Forstwirtschaft und innovative Holzverwendung.

Weitere Informationen:

Die Publikation „Wichtige Forstschädlinge – erkennen, überwachen, bekämpfen“ steht in der Mediathek der FNR zum Bestellen und zum Download bereit:

https://mediathek.fnr.de/forstschadlinge.html 

Die Borkenkäfer als Unterfamilie der Rüsselkäfer wurden mit Ausnahme des Kleinen Buchenborkenkäfers in der Broschüre „Wichtige Forstschädlinge“ ausgespart. Für diese Art legte die FNR bereits die Publikation „Borkenkäfer an Nadelbäumen – erkennen, vorbeugen, bekämpfen“ vor:
https://mediathek.fnr.de/broschuren/nachwachsende-rohstoffe/wald/borkenkaefer-an-nadelbaeumen-erkennen-vorbeugen-bekaempfen.html

Fachlicher Ansprechpartner:
Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V.
Marcus Kühling
Tel.:     +49 3843 6930-301
E-Mail:  m.kuehling(bei)fnr.de

Pressekontakt:
Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V.
Martina Plothe
Tel.:     +49 3843 6930-311
Mail:     m.plothe(bei)fnr.de

PM 2022-39

Erstellt von Martina Plothe
Die Broschüre „Wichtige Forstschädlinge“ liegt in der Mediathek der FNR zum Bestellen und zum Download bereit. Bildquelle: FNR/2022
Die Broschüre „Wichtige Forstschädlinge“ liegt in der Mediathek der FNR zum Bestellen und zum Download bereit. Bildquelle: FNR/2022
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